Heute engagiert sich die Hanns-Seidel-Stiftung in mehr als 70 Ländern mit über 100 Projekten.
Im Herbst 1992 eröffnete die Hanns-Seidel-Stiftung ihr Projektbüro in der Ukraine.
Die Herausforderungen der Jahre nach 2014 – stark beschleunigter politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftspolitischer und sozialer Strukturwandel – wurden mit Beginn der vollumfänglichen Invasion durch Russland im Februar 2022 überlagert von den drängenden humanitären und wirtschaftlichen Problemen und Fragen der existenziellen Sicherheit der Ukraine. Der andauernde russische Angriffskrieg stellt die Ukraine heute vor die gleichzeitige Aufgabe, staatliche Sicherheit zu gewährleisten, demokratische Institutionen zu stabilisieren und den europäischen Integrationskurs fortzusetzen.
Die Projektarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt diesen Prozess durch Beiträge zur Stärkung staatlicher Handlungsfähigkeit, gesellschaftlicher Resilienz und demokratischer Governance unter Kriegsbedingungen. Dabei werden politische Debatten gefördert, institutionelle Kapazitäten gestärkt und langfristige Perspektiven für eine stabile demokratische Entwicklung der Ukraine unterstützt.
Bearbeitet werden vor diesem Hintergrund sechs grundlegende Themenfelder:
- Europäische Integration und politischer Dialog
Die Projektarbeit stärkt Kenntnisse ukrainischer Multiplikatoren aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über Strukturen, Werte und Entscheidungsprozesse der Europäischen Union. Sie fördert den Austausch über Reformen und die Fachkenntnisse zu Normen und Standards im Kontext der europäischen Integration insbesondere für die öffentlichen Verwaltung und im Kontext des Wiederaufbaus. Dadurch werden institutionelle Zusammenarbeit, europäische Orientierung und der Dialog zwischen nationaler, regionaler und europäischer Ebene gestärkt.
- Internationale Vernetzung und Public Diplomacy
Gefördert wird der Aufbau belastbarer Netzwerke zwischen staatlichen Institutionen, Experten und zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Ukraine und in Europa. Sie trägt dazu bei, außenpolitische und europapolitische Expertise zu bündeln und den internationalen Austausch über Fragen der europäischen Integration, der regionalen Zusammenarbeit und der demokratischen Entwicklung der Ukraine zu vertiefen.
- Democratic Securitization – demokratische Governance im Krieg und Postkonflikt
Der russische Angriffskrieg stellt die Ukraine vor die Herausforderung, sicherheitspolitische Prioritäten mit demokratischen Prinzipien zu vereinbaren. Die Projektarbeit greift diese Debatte im Rahmen des Konzepts der „Democratic Securitization“ auf. Dabei geht es um die Integration von Sicherheitsanforderungen in staatliche Entscheidungsprozesse und Praktiken, ohne demokratische Kontrollmechanismen, rechtsstaatliche Verfahren und gesellschaftliche Beteiligung zu schwächen.
- Staatliche Handlungsfähigkeit und zivil-militärische Zusammenarbeit
Die Projektarbeit unterstützt staatliche Institutionen dabei, ihre Handlungsfähigkeit unter den Bedingungen des Krieges und im Hinblick auf eine mögliche Postkonfliktphase zu stärken. Dabei stehen die Weiterentwicklung staatlicher Steuerungsfähigkeit, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ebenen der Verwaltung sowie die Kooperation von zivilen mit militärischen Akteuren im Rahmen der Krisenvorsorge und der Nothilfe im Mittelpunkt. Eine enge Verknüpfung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Elemente und Strukturen ist hier ein herausragendes Merkmal der ukrainischen Staatlichkeit.
- Resilienz im Informationsraum und strategische Kommunikation
Einen Kernpunkt bildet die Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz gegenüber Desinformation und hybriden Einflussversuchen. Die Projektarbeit fördert ein vertieftes Verständnis moderner Informations- und Kommunikationsdynamiken und trägt dazu bei, staatliche und gesellschaftliche Akteure im Umgang mit Informationsmanipulation zu stärken.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Analyse russischer Desinformationskampagnen und ihrer Auswirkungen auf zentrale sicherheits- und gesellschaftspolitische Themen. In diesem Zusammenhang arbeitet eine Analysegruppe zur Informationsresilienz an der systematischen Auswertung schädlicher Narrative und ihrer Verbreitungsstrukturen. Analytische Beiträge und faktenbasierte Aufklärung unterstützen Medien, staatliche Stellen und die Öffentlichkeit dabei, schädliche Narrative frühzeitig zu erkennen und ihnen wirksam entgegenzutreten.
- Politische Bildung und demokratische Teilhabe
Die Projektarbeit leistet einen Beitrag zur Förderung politischer Bildung und demokratischer Kompetenzen in Staat und Gesellschaft. Ziel ist es, das Verständnis für demokratische Prozesse, verantwortungsvolle Regierungsführung und aktive gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und damit langfristig zur Stabilisierung demokratischer Strukturen in der Ukraine beizutragen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung einer modernen Verwaltungskultur sowie der Stärkung der institutionellen Verankerung der politischen Bildung auf der Policy-Ebene.
Das Büro der Hanns-Seidel-Stiftung in der Ukraine
befindet sich in Kyjiw unter folgender Adresse:
Wul. Solotoworitsjka 2, Whg.7
01054 Kyjiw Ukraine
Tel.: (044) 270-62-72, -73, -74
E-Mail: ukraine@hss.de
Web: http://hss.kyiv.ua
Leiter: Benjamin Bobbe – Leiter des Referats für Mittel- und Osteuropa der Hanns-Seidel-Stiftung